Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Seel
  Bilder: Heckler & Koch, Oberndorf
  Hensoldt, Wetzlar
  Datum: 20.10.1999
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Dipl.-Ing. Wolfgang Seel


Supervisiere für eine Superwaffe
Die Visierentwicklung für das Gewehr G 11

Alle Urheberrechte liegen bei Dip.-Ing. Wolfgang Seel

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Das Gewehr G 11 für hülsenlose Munition - es sollte die zukünftige Waffe des deutschen Soldaten werden, wäre nicht der Warschauer Pakt zusammengebrochen und das östliche Bedrohungspotential weggefallen.

Dieser Beitrag soll zeigen, wie mühevoll die Entwicklung dieser High-Tech-Waffe und ihrer Komponenten gewesen ist.


  Die Weichen für die Entwicklung des Gewehres G 11 für hülsenlose Munition werden Ende der 60er Jahre gestellt. Studienaufträge, die das Verteidigungsministerium 1968 formuliert, fordern von der neuen Waffe eine ganz wesentliche Steigerung der Treffwahrscheinlichkeit. Die Waffe soll hülsenlose Munition verschießen - mit einer Präzision, die alle konventionellen Waffensysteme übertrifft.

Studienaufträge zur Prüfung der Realisierbarkeit der hohen Forderungen erhalten neben Diehl und Mauser das Oberndorfer Unternehmen Heckler & Koch. Zur Entwicklung der gleichermaßen revolutionären hülsenlosen Munition arbeitet Heckler & Koch eng mit Dynamit Nobel zusammen. Beide Firmen sind bestens ausgewiesen: Heckler & Koch und Dynamit Nobel AG nehmen im Sektor kleinkalibriger Waffen und Munition einen vorderen Rang in der wehrtechnischen Industrie der Bundesrepublik ein. Es lag daher nahe, daß vom Verteidigungsministerium diese beiden Firmen bei den Studien einer neuen Schützenwaffe ins Auge gefaßt werden. Heckler & Koch hat das Gewehr G 3 der Bundeswehr entwickelt und tausendfach produziert, während die Dynamit Nobel AG bedeutendster und traditionsreicher deutscher Lieferant für Kleinwaffenmunition ist.


Entwicklungspartner Hensoldt

Mit einer herkömmlichen Visierung ist die geforderte Treffgenauigkeit der neuen Waffe nicht zu erreichen. Daher stehen von Anfang an Überlegungen zur Neugestaltung der Visierung gleichrangig neben der Waffen- und Munitionsentwicklung. Nur ein optisches Visier kommt infrage.

Bild 1: Optische Werke Hensoldt in Wetzlar.

Bild 2: Allererste Einsteckoptik von Hensoldt.
Bild 2: Allererste Einsteckoptik von Hensoldt.
Das renommierte Optikunternehmen Hensoldt in Wetzlar (Bild 1) hat als Lieferant von 100 000 Zielfernrohren für das von Heckler & Koch gefertigte Gewehr G 3 einen guten Ruf. Hensoldt stattet auch seit Jahren die Heckler & Koch-Waffenfamilien mit optischen Visieren aus und gehört damit zum kleinen Kreis hochqualifizierter deutscher Technologie-Unternehmen, die hochgesteckte Entwicklungsziele der Wehrtechnik bewältigen können.

Die ersten Überlegungen zu einem Visier, das modernsten Forderungen genügt, tauscht Hensoldt schon 1968 mit Heckler & Koch aus. Im Rahmen laufender Entwicklungen schlägt Hensoldt Kleinzielfernrohre mit geringer Vergrößerung vor, die ein beidäugiges Zielerfassen ermöglichen (Bild 2).



Das Reflexvisier

Aus Kostengründen scheitert der Vorschlag eines Kleinzielfernrohres. Eine billigere Lösung einer optischen Visiereinrichtung muß gefunden werden. Keinesfalls lassen sich auf moderne kurze Schußwaffen mechanische Visiere setzen. Eine konventionelle Visierung über Kimme und Korn oder Diopter und Korn ist aufgrund der kurzen Baulänge der Waffe und der damit verbundenen kurzen Visierlinie nicht geeignet. Da bei einer vorgesehenen Rohrlänge von 47 cm die Gesamtlänge der Waffe maximal 75 cm beträgt und von der Schulteranlage bis zur Visierung ein Abstand von 38 cm eingehalten werden muß, würde sich eine Visierlinie von nur 37 cm ergeben. So bietet sich ein Reflexvisier an.

Als Mitte 1968 ein kostengünstiges Reflexvisier in die Diskussion eingebracht wird, kann Hensoldt ein Muster dieser Visiereinrichtung vorlegen. Das Reflexvisier (Bild 3) basiert auf einem alten Patent, das unterdessen weitgehend in Vergessenheit geraten war. Ein Hensoldt-Meister aus der Montageabteilung baut in eigener Initiative das erste Muster eines modernen Reflexvisiers.

Bild 3: Prinzip des Reflexvisiers.

Bild 3:
Prinzip des Reflexvisiers. Die vom Tageslicht beleuchtete Zielmarke wird mit Hilfe eines Objektives ins Unendliche abgebildet. Zwei Prismen oder Spiegel lenken die Lichtstrahlen in das Auge des Beobachters. Das Prisma oder der Spiegel trägt eine teildurch-lässige Schicht, so daß der Beobachter sowohl die Zielmarke als auch das Ziel überlagert sieht.

Das Reflexvisier ist auf der Basis eines nicht vergrößernden Zielfernrohres aufgebaut. Zielbild und Zielstachel fallen für das Auge im Unendlichen zusammen und werden somit scharf gesehen. Beim Abbildungsmaßstab 1 : 1 kann das nicht zielende Auge geöffnet bleiben. Dadurch wird die Zeit für die Zielerfassung herabgesetzt.



Der erste Studienvertrag mit Hensoldt
Das Reflexvisier entspricht im Prinzip den Vorstellungen des Verteidigungsministeriums. Hensoldt erhält daraufhin einen auf den 30. September 1968 datierten Studienauftrag über die Weiterentwicklung des Reflexvisiers. Die Hensoldt-Entwicklungs- und Konstruktionsgruppe "Sonderoptik" - hier werden die Militärgeräte entwickelt - beginnt mit den Entwicklungsarbeiten. Bis zum Abschluß der G 11-Entwicklung bearbeitet über zwei Jahrzehnte hinweg ausschließlich Hensoldt-Mitarbeiter Goubeaud das G 11-Visier. Daneben betreut die Vertriebsabteilung Sonderoptik, später umbenannt in Sondertechnik mit Walter Mutz als Leiter die Entwicklung des neuen Visiers. Anfang der 80er Jahre wird Walter Mutz von Hensoldt-Mitarbeiter Hofmann abgelöst (Bild 4).

Bild 5: Das erste Versuchsmuster des Reflexvisiers in einfachster Ausführung.
Bild 4: Hensoldt-Mitarbeiter Herr Goubeaud (links) und Herr Hoffmann (rechts).

Bild 6: Das Revi 10 als Ergebnis der Studie.

Bild 7: Reflexvisier mit Adapter für ein Zielfernrohr (Entwicklungsstand ca. Ende 1971).


Die Forderungen an ein Reflexvisier sind hoch gesteckt: Der Helligkeitsbereich, in dem die Zieleinrichtung einzusetzen ist, soll sich erstrecken von voller Tageslichtbeleuchtung bis zu tiefer Dämmerung. Andererseits sind die Vorzüge des Reflexvisiers vor anderen konventionellen Zieleinrichtungen gravierend: Akkomodationsschwierigkeiten sind beseitigt, da Zielbild und Zielstachel für das Auge im Unendlichen zusammenfallen und somit scharf gesehen werden. Der Abbildungsmaßstab 1 : 1 des Reflexvisiers gestattet ein schnelles beidäugiges Zielen. Versuche am 18. und 19. November 1968 bei der Bundeswehrerprobungsstelle in Meppen bestätigen die Vorzüge des Reflexvisiers (Bild 5 und 6). Die Versuche werden am späten Nachmittag ab 16,30 Uhr bei nebligtrübem Wetter durchgeführt. Man will dabei vor allem prüfen, ob das Hensoldt-Reflexvisier in der tiefen Dämmerung gegenüber der konventionellen Visierung über Kimme und Korn Vorteile bietet. Beim Schiebenschießen auf 100 Meter Entfernung werden ausgezeichnete Ergebnisse mit dem Reflexvisier in Verbindung mit dem Gewehr G 3 erzielt.

Dem stehen Nachteile des Reflexvisiers gegenüber: konstruktionsbedingt ist das Reflexvisier nicht so lichtstark wie ein Zielfernrohr, die Zielmarke des Reflexvisiers ist bei ungünstiger Lichtverteilung gelegentlich nur schwer zu erkennen. Farbfilter können den Kontrast verbessern . Bei Dämmerung reicht die Helligkeit nicht aus, die Zielmarke des Reflexvisiers ausreichend auszuleuchten. Sie ist dann nur schwach oder gar nicht zu erkennen. So haben die weiteren Entwicklungsarbeiten das Ziel, das Reflexvisier zu optimieren (Bild 7).

Das Magazin der Versuchswaffen liegt über der Seelenachse, so ergibt sich gegenüber konventionellen Waffen eine größere Bauhöhe. Hinzu kommt, daß durch die Lafettierung der Waffe keine abgekröpfte Schulterstütze anzubringen ist. Daher muß ein Weg gefunden werden, um den Abstand zur Seelenachse und Visierlinie zu verringern.

Als Lösung bietet sich ein Reflexvisier mit Schrägeinblick an (Bild 8), der es erlaubt, die Unterkante der Visierung direkt auf das Gehäuse aufzusetzen. Damit ist es möglich, trotz des über dem Rohr angeordneten Magazins einen Abstand von Seelenachse zur Visierlinie von 70 mm einzuhalten - gerade 15 mm mehr als beim G 3. Eine Weile ist am Schrägeinblick festgehalten worden, bis sich dann doch zeigt, daß es zweckmäßiger ist, wenn das Auge des Schützen auf das Ziel ausgerichtet ist.

Bild 8: Optimierte Waffe Kal. 4,9 mm für hülsenlose Munition für die Treffwahrscheinlichkeitsuntersuchungen der Fraunhofer-Gesellschaft.


Die Studienphase der Waffen- und Munitionsentwicklung
In langen Versuchen erproben Waffenentwickler Heckler & Koch und Munitionsentwickler Dynamit Nobel Prototypen auf dem Weg zu einer kriegsbrauchbaren Waffe für hülsenlose Munition. Verschiedene Patronenformen, Patronenlager und Zuführungsarten müssen zielgerichtet und systematisch untersucht werden. Die anfangs seitliche Anzündung weicht bald der zweckmäßigeren Heckzündung. 1970 sind die Studien soweit gediehen, daß ein erstes, sich automatisch öffnendes Schießmodell mit einer Abzugseinrichtung für Einzel- und 3-Schuß-Feuer gebaut ist, jedoch vorerst noch ohne automatische Zuführung. Die Treffgenauigkeit bei Feuerstößen wird an einem Modell untersucht, das konventionelle 9 mm-Patronen verschießt (Bild 9).
Bild 11: Aufzeichnung der Mündungsbewegung durch Laserstrahl während eines 3-Schuß-Feuerstoßes auf 25 Meter Entfernung am 24. Januar 1972. Schütze Ministerialrat Bühler.


Bild 9: Lafettierte Waffe Kal. 9 mm x 19 zur Untersuchung der Streuung durch die Fraunhofer-Gesellschaft, Arbeitsgruppe für ballistische Forschung in Weil am Rhein.

Ganz wesentlich zur Präzision des Waffensystems trägt die Lafettierung bei. Bei einem lafettierten Waffensystem ist die Waffe rücklaufbeweglich in einem Gehäuse gelagert, wobei die beim Schießen auftretenden Rücklaufkräfte über eine beim Rücklauf sich spannende Feder auf die Schulter des Schützen übertragen werden. Eine Stoßbelastung tritt dadurch nicht mehr ein bzw. erst nach dem Austreten des Geschosses aus dem Rohr. Damit kann der Schütze die Rückstoßkräfte aufnehmen, ohne ihnen in präzisionsmindernder Weise auszuweichen. Die Waffenstreuung wird unabhängig vom Schützen.

Die Erkenntnisse aus der lafettierten Waffe für Pistolenpatronen werden auf die Waffe für hülsenlose Munition übertragen. Bei den Untersuchungen der Treffwahrscheinlichkeit findet ein Laser Anwendung. Er projiziert die Mündungsbewegung der Waffe während eines 3-Schuß-Feuerstoßes auf empfindliches Filmmaterial. Damit ist zu ermitteln, wieweit die Waffe aus dem gewählten Haltepunkt schützenbedingt auswandert (Bild 10 und 11).

Bild 10: Automatisch schießende lafettierte Waffe im Kaliber 9 mm 19 mit 3-Schuß-Abzug und einer Kadenz von 2.400 Schuß/Minute mit aufgesetztem He-Ne-Laser, Zusatzoptik und Fotoverschluß.

 


Als erreichtes Ergebnis ist festzustellen, daß Ende September/Anfang Oktober 1971 die Waffe für hülsenlose Munition so weit entwickelt ist, daß sowohl Feuerstöße als auch Dauerfeuer zu schießen sind: als Modell I (Bild 12, 13) nur fest eingespannt und als Modell II (Bild 14) auch von der Schulter aus.

Bild 12: System des rollenverriegelten Gasdruckladers für hülsenlose Munition. Oben: geöffneter Verschluß. Unten: geschlossener Verschluß.

Bild 13: Erster Schießfähiger Prototyp für hülsenlose Munition Kal. 4,3 mm, das Modell I

Bild 14: Das Modell II, die erste Schulterwaffe für hülsenlose Munition.

Ende 1971 sind die Studienarbeiten abgeschlossen. Sowohl die hülsenlose Munition als auch eine dafür geeignete Waffe werden als realisierbar beurteilt, eine entsprechende weitere Entwicklung wird zu einem truppenbrauchbaren Gewehr führen. Nun kann die Entwicklungsphase beginnen.

Besondere Bedeutung erhalten die Heckler & Koch-Arbeiten an einer neuen Schützenwaffe durch eine Vereinbarung zwischen dem deutschen und dem britischen Verteidigungsminister vom Januar 1973. Ziel dieser Vereinbarung ist ein gegenseitiger Informationsaustausch über die jeweiligen nationalen Entwicklungsarbeiten an Infanterie-Handwaffen und Infanteriemunition.

Der Informationsaustausch zwischen der BRD und Großbritannien wird so geregelt, daß den beiden Regierungen größtmöglicher Nutzen aus sich gegenseitig ergänzenden nationalen Studien und Entwicklungsarbeiten erwächst. Dabei arbeitet der deutsche Partner vornehmlich auf dem Gebiet der hülsenlosen Munition, und der britische Partner spezialisiert sich auf das Gebiet eines optimierten konventionellen Handwaffensystems im Kal. 4,85 mm x 45.

Die Zeitvorstellung des Bonner Verteidigungsministeriums geht unterdessen dahin, daß die neue Schützenwaffe für hülsenlose Munition 1975 bei der NATO vorgestellt werden kann und daß 1976 erste Waffen erprobt werden können.

Im Sommer 1973 zieht das Verteidigungsministerium Bilanz der Studienarbeiten und vergleicht die Ergebnisse. Eine für den vollen Kriegseinsatz taugliche Waffe hat keine der beteiligten Firmen vorgelegt. Das Heckler 6 Koch-Konzept einer Waffe mit Walzenverschluß wird als aussichtsreich beurteilt. So treffen Verteidigungsministerium und Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung gemeinsam die Entscheidung, das Konzept des Heckler & Koch-Rotationsverschlusses für die weitere Studien- und Entwicklungsarbeit auszuwählen, da es die größten Erfolgsaussichten verspricht, alle Forderungen zu erfüllen.

Es ist wohl ganz besonders amerikanischer Unterstützung zu verdanken, daß bei einer NATO-Arbeitstagung in Brüssel Anfang November 1973 die Bundesrepublik zur Pilotnation der Entwicklung einer neuen Schützenwaffe der zweiten Generation ernannt wird.

Die neue Waffe, das Heckler & Koch-Modell für hülsenlose Munition, soll den NATO-Partnern im April 1977 in ausreichender Menge ausgeliefert werden. 1977 werden auf NATO-Ebene Erprobungen stattfinden mit dem Ziel, neben der 7,62 mm-Standardmunition eine zweite, kleinere und leichtere Munition zu normieren. Zu diesen Erprobungen will die Bundesrepublik schußtüchtige Waffen für hülsenlose Munition bereitstellen. Die Zeitvorgaben sind eng und fordern von allen Beteiligten angespanntes Arbeiten, besteht doch zu diesem Zeitpunkt die begründete Hoffnung, daß die Heckler & Koch-Waffe eines Tages auch bei den NATO-Partnern eingeführt wird.

Mit dem Verschlußprinzip der Walze setzt Heckler & Koch die weiteren Arbeiten fort. Im Sommer 1974 liegt ein Waffenmodell vor, mit dem funktionssicher Einzelfeuer, 3-Schuß-Feuerstoß und Dauerfeuer geschossen werden kann. Die dabei erreichten Schußfolgen sind für den 3-Schuß-Feuerstoß ca. 1 800 Schuß/Minute und für das langsame Dauerfeuer ca. 400 Schuß/Minute. Zu diesem Zeitpunkt ist mit absoluter Sicherheit davon auszugehen ist, daß das gewählte Waffenprinzip zu einer truppenbrauchbaren Lösung führen wird.

Am 14. Juni 1974 wird das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung vom Verteidigungsministerium beauftragt, die Entwicklung der neuen Waffe einzuleiten. Am 23. Dezember 1974 kommt der erhoffte Entwicklungsvertrag zustande.

Der Vertrag sieht vor, daß die Arbeiten im Herbst 1977 abgeschlossen sind. Danach soll der Truppenversuch mit der neuen Waffe beginnen.

Hatte Heckler & Koch mit den vorausgegangenen Verträgen lediglich Studien zu einer neuen Waffe durchführen sollen, so ist der Vertrag vom Dezember 1974 ein Entwicklungsvertrag zu einem Gewehr für hülsenlose Munition und schließt die Entwicklung eines entsprechenden Visiers ein. Die bisherige enge Zusammenarbeit zwischen Hensoldt und Heckler & Koch setzt ein Entwicklungsauftrag fort, den Heckler & Koch am 28. Januar 1975 der Firma Hensoldt erteilt.

Bild 15: Visiererprobungswaffe HK 33, Kal. 5,56 mm x 45 mit Hensoldt-Reflexvisier, Ausführung 1.

Beim Leistungsnachweisschießen des Prototyps 1 am 18. und 19. Dezember 1974 hatte Hensoldt zwei Ausführungen des Reflexvisiers vorgestellt - montiert auf ein Heckler & Koch-Gewehr HK 33 (Bild 15). Während Ausführung 1 keine Strichplattenbeleuchtung hat, dient Visierausführung 2 als Erprobungsträger zur Ermittlung der optimalen Strichplattenbeleuchtung mit einem Betalight - einer nuklearen Lichtquelle (Bild 16), die in den ersten Jahren der Visierentwicklung mit verschiedenen Mustern verwirklicht wird. Später macht das Verbot tritiumhaltiger Lichtquellen in der Bundeswehr den Einsatz dieser Konstruktionslösung nicht mehr möglich.

Bild 16: Ein floureszierender Acrylstab wird durch 2 Betalights angestrahlt und läßt das Absehen intensiv rot aufleuchten.



Vertrag Heckler & Koch - Hensoldt AG
Ausführung Stückzahl Liefertermin Visiermodelle
1 2 36. KW 1974 Ausführung nach Zeichnung SK 5073, 1 x mit Abschlußglas klar, 1 x mit Abschlußglas FG 6
2 1 50. KW 1974 Erprobungsträger zur Ermittlung der optimalen Strichplattenbeleuchtung
3 6 17. KW / 19. KW 1975 Reflexvisier mit regelbarer Strichplattenbeleuchtung wie nach Ausf. 2 optimiert, verschiedene auswechselbare Blaufilter, 3 verschiedene Strichplatten (1 x nach FINABEL, 1 x mit Balkenkorn und waagerechten Balken ohne Einteilung, 1 x nur Balkenkorn)
4 6 45. KW / 48. KW 1975

Optimierte Kombination aus den Ergebnissen nach Ausführung. Zusätzliche innenliegende Blende gegen Lichtaustritt der Strichplattenbeleuchtung nach vorn. 3 verschiedene Ausführungen des Lichteinfalls für das Absehen:
1. Lichteinfall direkt von vorn (bisherige Konzeption),
2. Halbkugelförmiges floureszierendes Plexiglas,
3. Lichteinfall direkt von vorn und von oben.

4 a 3 20. KW 1976 Entsprechend Ausführung 4, jedoch unter Berücksichtigung der Erprobungsergebnisse weiter optimiert
5 4 40. KW 1976 Optimierte Ausführung unter Berücksichtigung der bis dahin gewonnenen Ergebnisse
1. Vorserie 10 10. KW 1977 Mindestens entsprechend Ausführung 5
2. Vorserie 70 22. KW 1977 Entsprechend mindestens der 1. Vorserie
Bild 17: Planung der Visierentwicklung vom 3. September 1974


Bild 18: Das Vormodell zum Prototyp 1 mit erstem Reflexvisier im Tragegriff. Noch fehlt die Augenmuschel aus Gummi.

Mit dem Entwicklungsauftrag geht eine Terminplanung einher, die vorsieht, zu welchen Zeitpunkten welche Visiertypen zur Erprobung bereitstehen müssen (Bild 17). Äußerlich sehen diese Visierformen alle gleich aus (Bild 18), doch zeigt der innere Aufbau die Absicht Hensoldts, eine möglichst universelle Brauchbarkeit des Reflexvisiers bei den unterschiedlichsten Beleuchtungsverhältnissen zu erreichen. Zur Kontrasterhöhung erprobt Hensoldt eine Blaufärbung des Bildes und eine Rotfärbung der Strichplatte durch Filter. Visierausführung 3 wird mit verschiedenen Formen des Absehens erprobt. Oberstes Ziel aller Bemühungen um ein brauchbares Reflexvisier ist eine Steigerung der Lichtausbeute. Mit Ausführung 4 sollen verschiedene Möglichkeiten des Lichteinfalls zur Strichplattenbeleuchtung verglichen werden (Bild 19, 20, 21, 22, 23), auch erhalten diese Versuchsmuster ein Kondensorsystem mit einer halbkugelförmigen Sammellinse, die gegenüber der bisherigen Konzeption wesentlich mehr Licht aufzufangen verspricht. Die Strichplattenbeleuchtung mit einem Betalight darf nicht dazu führen, daß der Schütze vom Gegner bemerkt wird, Lichtaustritt aus der Optik nach vorne mit einer innenliegenden Blende ist nur mit hohem Aufwand zu verwirklichen, außerdem wird durch diese Blende der Lichteintritt begrenzt. Als einfachere Lösung für die Regelung der Strichplattenbeleuchtung schlägt Hensoldt nach vorn abgedeckte Betalights vor, die in zwei Stufen verschiedener Helligkeit eingeschwenkt werden. Während der Sommerzeit oder beim Schießen über hellen Schneeflächen wird ein einschwenkbarer Kontrastfilter notwendig, der krasse Helligkeitsunterschiede abschirmt. Mit einem kippbaren Glaskeil realisiert Hensoldt die ballistische Anpassung des Reflexvisiers an verschiedene Schußentfernungen (Bild 24).

Bild 19: Versuchsmuster für den letzten Entwicklungsstand des Reflexvisiers (Entwicklungsstand etwa Anfang 1976).

Bild 19:

Versuchsmuster für den letzten Entwicklungsstand des Reflexvisiers (Entwicklungsstand etwa Anfang 1976).
Bild 20:  Reflexvisier Ausführung 4, hier noch die schematische Grundkörperdarstellung vom 4. Oktober 1974.
Bild 20: Reflexvisier Ausführung 4, hier noch die schematische Grundkörperdarstellung vom 4. Oktober 1974.

Bild 21: G 11-Prototyp 1 mit Reflexvisier Ausführung 4.

Bild 21:

G 11-Prototyp 1 mit Reflexvisier Ausführung 4.

Bild 22: Letzter Entwicklungsstand des Reflexvisiers, Ausführung 4a.
   

Bild 23: Letzter Entwicklungsstand des Reflexvisiers (Ausführung 4a).
Bild 23: Letzter Entwicklungsstand des Reflexvisiers (Ausführung 4a).
Bild 24: Prototyp 3 mit dem Reflexvisier des letzten Entwicklungsstandes.
Bild 24: Prototyp 3 mit dem Reflexvisier des letzten Entwicklungsstandes.
 


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